CP Centrum Ansicht von Süd-Ost 1972

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Geschich­te des Kin­der­zen­trums

Wur­den frü­her Kin­der und Erwach­se­ne von der All­ge­mein­me­di­zin oder auch Inne­ren Medi­zin behan­delt, ent­wi­ckel­te sich ab Mit­te des 19. Jahr­hun­derts die Kin­der­heil­kun­de als eigen­stän­di­ges Fach­ge­biet. Sozia­le Belan­ge gehör­ten schon früh zu den Inhal­ten, die Gesund­erhal­tung der Kin­der galt nicht mehr als Pri­vat­an­ge­le­gen­heit und es wur­den Zusam­men­hän­ge zwi­schen Krank­heit, Ent­wick­lungs­stö­rung und sozia­ler Lage erkannt. Mit­te des 20. Jahr­hun­derts grenz­te sich die Sozi­al­päd­ia­trie als Teil­ge­biet zuneh­mend von der all­ge­mei­nen Kin­der­heil­kun­de ab.

Als ers­te sozi­al­päd­ia­tri­sche Ein­rich­tung in Nord­deutsch­land wur­de 1971 das Kin­der­zen­trum Pelz­erha­ken gegrün­det – damals noch Cere­b­ral­pa­re­se Cen­trum genannt. Mit­be­grün­der und lang­jäh­ri­ger Lei­ter war Dr. med. Udo Kal­be, des­sen Über­zeu­gun­gen und Ide­en das Kin­der­zen­trum präg­ten und prä­gen. Genannt sind stell­ver­tre­tend die part­ner­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit mit den Eltern und Fami­li­en, die inter­dis­zi­pli­nä­re Vor­ge­hens­wei­se auf Augen­hö­he mit allen betei­lig­ten Fach­kom­pe­ten­zen, das pri­mä­re Ziel der För­de­rung von Eigen­stän­dig­keit und Auto­no­mie und der Wil­le Inte­gra­ti­on und Inklu­si­on zu ermög­li­chen.

Nach der Grün­dung 1971 noch als „Bet­ten­haus“ und damit Teil des Kin­der­kur­hei­mes Sozia­les Gene­sungs­werk, erfolg­te kur­ze Zeit spä­ter die Umbe­nen­nung zum Cere­b­ral­pa­re­se Cen­trum (CPC) und dann 1974 auch die recht­li­che Tren­nung vom Sozia­len Gene­sungs­werk. Zum 1. Janu­ar 1980 erfolgt die Auf­nah­me des Zen­trums in den Kran­ken­haus­be­darfs­plan des Lan­des Schles­wig-Hol­stein. 1983 wird die Kli­nik dann erneut umbe­nannt als Kin­der­zen­trum Pelz­erha­ken, Son­der­kran­ken­haus für Ent­wick­lungs­för­de­rung und Reha­bi­li­ta­ti­on, gGmbH. Schon seit den Anfän­gen wer­den Kin­der und Jugend­li­che auch ambu­lant dia­gnos­ti­ziert und teils behan­delt und fol­ge­rich­tig wird das Kin­der­zen­trum 1989 als eine der ers­ten Ein­rich­tun­gen in Deutsch­land als Sozi­al­päd­ia­tri­sches Zen­trum (SPZ) gemäß § 19 SGB V aner­kannt. Seit 2016 sind wir aka­de­mi­sches Lehr­kli­ni­kum der Uni­ver­si­tät zu Lübeck.

Schon von 1971 an sind die Jah­re von kon­ti­nu­ier­li­chen Ver­än­de­run­gen und Anpas­sun­gen geprägt. Wur­den initi­al pri­mär Pati­en­ten mit Bewe­gungs­stö­run­gen vor­nehm­lich Cere­b­ral­pa­re­se behan­delt, wur­den im Ver­lauf mehr und mehr Kin­der und Jugend­li­che mit Ein­schrän­kun­gen in ihrer Kogni­ti­on, emo­tio­na­len und sozia­len Ent­wick­lung und dar­aus resul­tie­ren­den Pro­ble­men in der Anpas­sung behan­delt (Neue Kin­der­krank­hei­ten, Prof. Schlack). Die­se Pati­en­ten­grup­pen machen heu­te die über­wie­gen­de Anzahl ambu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Vor­stel­lun­gen aus.

Ent­spre­chend den dar­aus auch ver­än­der­ten Bedürf­nis­sen unse­rer Pati­en­ten ver­än­der­ten sich per­so­nell fach­li­che Schwer­punk­te. Stand frü­her die Phy­sio­the­ra­pie und Ergo­the­ra­pie neben der Kin­der­heil­kun­de im Vor­der­grund sind heu­te Psy­cho­lo­gie, Heil­päd­ago­gik, Logo­pä­die, Kin­der­heil­kun­de und Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie am stärks­ten ver­tre­ten. Kon­ti­nu­ier­lich stie­gen die Mit­ar­bei­ter­zah­len an und lie­gen heu­te bei weit über 100.

Auch bau­lich sind die­se Anpas­sun­gen erkenn­bar. Etwa alle 5 Jah­re muss­ten grö­ße­re, bau­li­che Maß­nah­men seit 1971 rea­li­siert wer­den. Bei­spiel­haft sei­en genannt 1977 Aus­bau der Säug­lings­sta­ti­on, 1984 Aus- und Umbau der Sta­ti­on Bie­nen­korb, räum­li­che Tren­nung von Ambu­lanz und Kli­nik. Im Jahr 1989 dann Neu­bau das Ambu­lanz­trak­tes und 1990 Sanie­rung der Sta­ti­on Sta­ren­kas­ten. Fünf Jah­re spä­ter 1995 wird die Mut­ter-Kind Ein­heit errich­tet und im Jahr 2000 erneut Reno­vie­rung und Neu­ge­stal­tung der Sta­ti­on Bie­nen­korb. In 2010 wer­den die Eltern­zim­mer umfas­send reno­viert und in 2011 die Sta­ti­on Fuchs­bau kom­plett neu errich­tet. 2013 folgt der Aus­bau ober­halb der Sta­ti­on Bie­nen­korb zu einem The­ra­pie­flur. Wei­te­re Pro­jek­te sind für die Zukunft bereits in Pla­nung, bau­lich stel­len wir uns den neu­en Her­aus­for­de­run­gen.

Par­al­lel zu den bau­li­chen Erwei­te­run­gen wur­de und wird die medi­zin­tech­ni­sche Aus­stat­tung und damit unse­re dia­gnos­ti­schen Mög­lich­kei­ten kon­ti­nu­ier­lich moder­ni­siert und erneu­ert.

Jah­res­zah­len prä­gen unser Bild von Geschich­te und so wol­len wir noch wei­te­re Daten nen­nen:
Grün­dung des För­der­krei­ses Kin­der­zen­trum Pelz­erha­ken e. V.
1975erst­mals Ein­stel­lung einer Psy­cho­lo­gin im Kin­der­zen­trum
1980Auf­bau einer inter­dis­zi­pli­nä­ren human­ge­ne­ti­schen Sprech­stun­de in Zusam­men­ar­beit mit dem Insti­tut für Human­ge­ne­tik der Uni­ver­si­tät Lübeck
1982ers­ter Fort­bil­dungs­kurs am Kin­der­zen­trum durch Prof. Rudol­fo Cas­til­lo-Mora­les
1984Bau des Bewe­gungs­ba­des
1991Besuch von Han­ne­lo­re Kohl, Frau des dama­li­gen Bun­des­kanz­lers und Schirm­her­rin Kura­to­ri­um ZNS
1991Ein­rich­tung des Sno­ezelen­rau­mes
1991die Aus­zu­bil­den­de am Kin­der­zen­trum Fr. Anja Rei­mers wird Bun­des­sie­ge­rin als bes­te Aus­zu­bil­den­de der Haus­wirt­schaft
1993Grün­dung des Fort­bil­dungs­in­sti­tuts
1994ers­ter Aus­bil­dungs­kurs in Deutsch­land über Nan­cy Hyl­ton Orthe­sen am Kin­der­zen­trum Pelz­erha­ken
1995Auf­bau der inter­dis­zi­pli­nä­ren päd­ia­tri­schen ortho­pä­di­schen Sprech­stun­de in Zusam­men­ar­beit mit der Ortho­pä­die Schön Kli­nik Neu­stadt
1996gemein­sa­me Sprech­stun­de mit dem Lan­des­för­der­zen­trum Hören in Schles­wig
1998gemein­sa­me Sprech­stun­de mit dem Lan­des­för­der­zen­trum Sehen in Schles­wig
2000Auf­bau der inter­dis­zi­pli­nä­ren Sko­lio­se­sprech­stun­de in Zusam­men­ar­beit mit dem Wir­bel­säu­len­zen­trum Schön Kli­nik Neu­stadt
2010Auf­bau der Epi­lep­sie­am­bu­lanz
2014Ambu­lanz für Aus­schei­dungs­stö­run­gen wird eta­bliert
2016Wei­ter­ent­wick­lung FASD- Sprech­stun­de